Belgien plant Vignettenpflicht ab 2027
Wer mit dem Auto nach oder durch Belgien fährt, kann die Autobahnen bislang weitgehend ohne Vignettenpflicht nutzen. Das könnte sich ändern: Die drei Landesteile Flandern, Wallonien und Brüssel haben sich auf eine Straßenmaut für leichte Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen geeinigt. Geplant ist die Einführung einer digitalen belgischen Vignette ab Mai 2027. Ob Sie aus Belgien oder aus dem Ausland kommen, soll dabei keine Rolle spielen. Alle Fahrzeuge dieser Gewichtsklasse sollen einen Beitrag zum Unterhalt der Straßen leisten.
Zur Gewichtsgrenze: In den belgischen Angaben ist von Fahrzeugen bis 3,5 Tonnen die Rede. Gemeint ist nach den vorliegenden Berichten die übliche Grenze für leichte Fahrzeuge, vergleichbar dem zulässigen Gesamtgewicht (zGG).
Wichtig vorweg: Die Pläne sind eine politische Einigung der Regionen, aber noch nicht rechtskräftig abgeschlossen. Es fehlen noch weitere Zustimmungen, unter anderem auf europäischer Ebene. Für Ihre Reiseplanung lohnt sich deshalb schon jetzt der Überblick, ohne dass Sie bereits eine belgische Vignette kaufen müssten.
Was Belgien plant und ab wann
Bisher konnten viele Reisende Belgien als Transitland ohne zusätzliche Autobahngebühr durchqueren. Ab 2027 soll das anders aussehen. Die digitale Vignette soll an das Kennzeichen gebunden sein und online oder an Tankstellen gekauft werden. Die Einhaltung der Mautpflicht soll über ein Videosystem überwacht werden. Bei Verstößen drohen laut Berichten Bußgelder von rund 70 Euro.
Der wallonische Minister für Infrastruktur und Mobilität, François Desquesnes, begründete die Maßnahme damit, dass jeder, der die Straßen nutzt, einen fairen Beitrag zu deren Unterhalt leisten solle. Der flämische Finanzminister Ben Weyts verwies darauf, dass Autofahrer aus Flandern in anderen europäischen Ländern ebenfalls Gebühren zahlen. Als Vergleich wurde unter anderem das Vignettensystem in Österreich genannt.
Geplante Preise und Laufzeiten
Die Jahresvignette soll nach den vorliegenden Angaben zwischen 90 und 125 Euro kosten. Der genaue Betrag hängt vom Fahrzeugmodell und dem Schadstoffausstoß ab. Für emissionsfreie Fahrzeuge wie Elektroautos werden rund 90 Euro im Jahr genannt. Ältere Modelle mit höherem Schadstoffausstoß nach den Abgasnormen Euro 0 bis Euro 3 sollen bis zu 125 Euro pro Jahr kosten.
Neben der Jahresvignette sind kürzere Laufzeiten vorgesehen. Genannt werden eine 24-Stunden-Variante, eine Zehn-Tages-Vignette sowie Modelle für einen oder zwei Monate. Das ist vor allem für Urlauber und Durchreisende aus Deutschland interessant, die Belgien nur kurz durchqueren oder wenige Tage im Land bleiben.
Ob die finalen Preise und Laufzeiten exakt so beschlossen werden, hängt noch von den weiteren politischen und rechtlichen Schritten ab. Für die Planung gilt deshalb: Preise und Starttermin als aktuellen Planungsstand behandeln und kurz vor der Reise die offiziellen Angaben prüfen.
Für wen gilt die geplante Vignette?
Die Regelung richtet sich an leichte Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen. In den offiziellen belgischen Formulierungen ist von Pkw, Mischfahrzeugen und Lieferwagen unter dieser Grenze die Rede. Eine eigene Angabe wie die österreichische tzGm gibt es dort nicht. Praktisch geht es um die bekannte Schwelle für leichte Fahrzeuge, die dem zulässigen Gesamtgewicht nahekommt. Ob Motorräder einbezogen werden, ist in den Berichten uneinheitlich. Teilweise werden Motorräder als ausgenommen genannt. Prüfen Sie deshalb vor der Einführung den finalen Geltungsbereich.
Ausländische Kennzeichen sollen genauso betroffen sein wie belgische. Für deutsche Urlauber bedeutet das: Wer ab 2027 über belgische Autobahnen nach Frankreich, in die Niederlande, nach Großbritannien oder zurück nach Deutschland fährt, sollte die Vignettenpflicht in der Reisekostenkalkulation mitdenken. Für schwere Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gilt in Belgien bereits ein anderes System der kilometerbezogenen Schwerverkehrsabgabe. Die neue Vignette soll genau die leichten Fahrzeuge erfassen, die bisher oft ohne eigene Straßenbenutzungsgebühr unterwegs waren.
Politisch wird die Maut teils auch damit begründet, dass vor allem Nutzer aus dem Ausland stärker an den Kosten beteiligt werden sollen. Gleichzeitig wird in Belgien diskutiert, inländische Autofahrer über andere Steuern oder die Kfz-Steuer zu entlasten. Genau an diesem Punkt wird es rechtlich sensibel.
EU-Recht und die Erfahrung mit der deutschen Pkw-Maut
Die belgischen Pläne müssen von den europäischen Behörden bestätigt werden. Die Europäische Union verbietet eine Ungleichbehandlung aufgrund der Nationalität. Deutschland hatte bereits versucht, ein ähnliches System einzuführen und deutsche Fahrzeughalter über die Kfz-Steuer zu entlasten. Der Europäische Gerichtshof beurteilte das 2019 als diskriminierend, weil die wirtschaftliche Belastung faktisch vor allem bei Haltern und Fahrern von Fahrzeugen lag, die in anderen Mitgliedstaaten zugelassen sind.
Ob Belgien die geplante Vignette so umsetzen kann, dass sie mit dem EU-Recht vereinbar bleibt, ist deshalb noch offen. Für Reisende heißt das: Mit einer Einführung ab 2027 rechnen, aber die endgültige Ausgestaltung und den rechtlichen Freigabestatus im Blick behalten.
Was das für Ihre Reiseplanung bedeutet
Wenn Sie Belgien als Transitland nutzen, sollten Sie ab dem geplanten Starttermin prüfen, welche Laufzeit zu Ihrer Route passt. Für einen kurzen Durchstieg kann eine 24-Stunden- oder Zehn-Tages-Vignette ausreichen. Für längere Aufenthalte oder wiederholte Fahrten im selben Zeitraum kann eine Monats- oder Jahresvignette sinnvoller sein. Kaufen Sie die Vignette voraussichtlich online vor der Einfahrt, und achten Sie darauf, dass Kennzeichen und Gültigkeitszeitraum korrekt hinterlegt sind. Für Reisen, die weiter nach Österreich oder in die Schweiz führen, bleiben die dortigen Mautsysteme unverändert und folgen eigenen Regeln.
Angrenzende Länder besitzen andere Mautregelungen
In Österreich benötigen Fahrzeuge bis 3,5 t tzGm (technisch zulässige Gesamtmasse ohne Personen, Feld F.1) auf Autobahnen und Schnellstraßen eine gültige Vignette. Liegt die tzGm über 3,5 t, entfällt die Vignettenpflicht und es gilt die streckenbezogene Maut mit GO-Box. Zusätzlich fällt auf bestimmten Abschnitten Streckenmaut bzw. Sondermaut an, etwa an Tunneln wie dem Brenner oder dem Tauern sowie an Alpenstraßen. Die Vignette deckt diese Abschnitte nicht ab. Details finden Sie in unserem Ratgeber Maut in Österreich, zu den Fahrzeugklassen und zur Streckenmaut bzw. Sondermaut. Für Österreich können Sie die 10-Tages-Vignetten-Flatrate bequem online bei uns abschließen.
In der Schweiz gelten wiederum andere Regeln als in Belgien und Österreich. Maßgeblich ist dort das zulässige Gesamtgewicht (zGG) inklusive Personen. Für Fahrzeuge bis 3,5 t zGG gibt es eine Jahresvignette, kürzere Laufzeiten wie in Belgien oder Österreich sind in der Schweiz nicht vorgesehen. Liegt das zGG über 3,5 t, entfällt die Vignette und es greift die Schwerverkehrsabgabe. Zusätzlich können auf bestimmten Tunneln und Alpenstraßen Sondermautgebühren anfallen. Einen Überblick finden Sie im Ratgeber Maut in der Schweiz und zu den Fahrzeugklassen.
Mit unserem Routenplaner sehen Sie vor der Abfahrt, welche Mautprodukte Ihre geplante Route erfordert. Gerade bei Transitfahrten durch mehrere Länder lohnt sich die Prüfung frühzeitig.
Das Europamaut-Team wünscht Ihnen eine schöne Reise!
Belgien bleibt auch mit einer möglichen Vignettenpflicht ein wichtiges Transitland in Westeuropa. Wer die geplante Einführung ab 2027 im Blick behält und Preise sowie Laufzeiten vor der Reise prüft, vermeidet unnötige Überraschungen an der Grenze. Bei Fragen zur Vignette und zur Maut in Österreich oder der Schweiz erreichen Sie uns jederzeit per E-Mail.
FAQ: Belgische Autobahn-Vignette ab 2027
Ab wann soll die belgische Vignette gelten?
Geplant ist der Start im Mai 2027. Die Pläne der drei Landesteile müssen allerdings noch weiter bestätigt werden, unter anderem auf europäischer Ebene.
Für welche Fahrzeuge gilt die geplante Maut?
Für leichte Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen. In den belgischen Angaben wird diese Grenze so genannt, ohne österreichische tzGm. Gemeint ist eine Schwelle vergleichbar dem zulässigen Gesamtgewicht. In- und ausländische Kennzeichen sollen gleichermaßen betroffen sein.
Was kostet die Jahresvignette?
Nach dem aktuellen Planungsstand zwischen 90 und 125 Euro im Jahr, abhängig von Fahrzeugmodell und Schadstoffausstoß. Emissionsfreie Fahrzeuge sollen am unteren Ende liegen, ältere Fahrzeuge mit höherem Ausstoß am oberen Ende.
Gibt es kurze Laufzeiten für Urlauber?
Ja. Genannt werden 24 Stunden, zehn Tage sowie ein oder zwei Monate. Die endgültigen Produkte können sich noch ändern.
Was droht ohne gültige Vignette?
Laut Berichten soll die Kontrolle über ein Videosystem laufen. Bei Verstößen werden Bußgelder von rund 70 Euro genannt.
Ist die Einführung schon sicher?
Noch nicht endgültig. Es gibt eine Einigung der belgischen Regionen, aber weitere Zustimmungen und die Vereinbarkeit mit dem EU-Recht stehen noch aus. Prüfen Sie vor Ihrer Reise 2027 den aktuellen Stand.